Clearaudio Compass Test

Der Compass ist das günstigste Modell im üppigen Programm von Clearaudio, wirkt aber keineswegs wie ein typisches Einstiegsgerät. Das Chassis des Plattenspielers erscheint robust, der Acrylteller sitzt präzise auf dem Aluminium-Subteller, und das minimalistische Design fügt sich nahtlos in die sachliche Ästhetik des Herstellers ein. Sichtbare Bedienelemente sind rar: Ein kleiner Schalter für Start, Stopp und Geschwindigkeit versteckt sich dezent unter dem Chassis.

Technisch setzt Clearaudio auf einen manuellen Riemenantrieb mit 33 1/3 und 45 Umdrehungen, einen 12-Volt-Gleichstrommotor, einen 20 Millimeter starken Acrylteller und den vormontierten Clearaudio-N1-MM-Tonabnehmer. Eine Phonostufe fehlt ebenso wie Bluetooth, USB oder Automatikfunktionen. Der Compass ist also kein Spielzeug, sondern ein klassischer Plattenspieler für bewusstes Hören.

Technisch setzt Clearaudio auf einen manuellen Riemenantrieb

Der Aufbau gelingt einfach: Teller und Riemen auflegen, Gegengewicht montieren, Auflagekraft einstellen, Haube aufsetzen – und schon ist der Compass einsatzbereit. Die mitgelieferte Haube schützt vor Staub und lässt sich bei Bedarf abnehmen. Einziger Kritikpunkt: Das Antiskating per Fadengewicht wirkt etwas fummelig.

Tonarm und Tonabnehmer

Technisch setzt Clearaudio auf einen manuellen Riemenantrieb. Er ist präzise geführt, sauber verarbeitet und bietet genug Potenzial für eventuelle Tonabnehmer-Upgrades. Tonarmhöhe und Azimut lassen sich einstellen. In dieser Preisklasse keine Selbstverständlichkeit.

Der vormontierte Clearaudio-N1-Tonabnehmer ergänzt das Konzept sehr stimmig. Das MM-System im gefrästen Aluminiumgehäuse spielt ausgewogen und erlaubt einen unkomplizierten Nadeltausch. Der Compass wirkt dadurch nicht wie ein kurzlebiges Komplettpaket, sondern wie die Basis für jahrelangen Musikgenuss.

Clearaudio-Compass-Tonarm

Klang des Clearaudio Compass

Klanglich überzeugt der Compass mit Ruhe, Klarheit und Reife. Er verzichtet auf künstliche Brillanz oder übertriebenen Bassdruck und setzt stattdessen auf Ordnung, Raum und Kontrolle. Stimmen stehen stabil zwischen den Lautsprechern, Instrumente lösen sich sauber voneinander, und der Bass spielt präzise.

Fleetwood Macs „Dreams“ zeigt exemplarisch, was der Compass kann: Stevie Nicks’ Stimme steht klar im Raum, der Bass läuft kontrolliert, und die Gitarrenflächen behalten ihre luftige Struktur. Die Bühne wirkt eher breit als tief und vermittelt eine entspannte, souveräne Atmosphäre.

Auch Portisheads „Sour Times“ profitiert von dieser Abstimmung. Der tiefe, düstere Bass besitzt Substanz, bleibt aber klar umrissen. Beth Gibbons’ Stimme wirkt greifbar, während Samples und Gitarrenfiguren sauber getrennt bleiben. Der Compass fängt die Atmosphäre des Albums ein, ohne den Klang künstlich aufzublähen.

Clearaudio-N1-Tonabnehmer

Radioheads „Everything In Its Right Place“ passt ebenfalls gut zu seinem Charakter. Elektronische Flächen lösen sich weit von den Lautsprechern, Thom Yorkes Stimme bleibt klar eingebettet, und der Compass bewahrt die ruhige, entrückte Stimmung des Stücks. Details sind präsent, aber nicht überbetont. Die Wiedergabe wirkt geschlossen statt analytisch.

Seine Grenzen zeigt der Compass bei rhythmisch treibender Musik. Michael Jacksons „Billie Jean“ läuft sauber, die Bassline bleibt stabil, und der Groove hält zusammen. Doch der Plattenspieler könnte die rhythmische Spannung teilweise noch energischer vorantreiben. Die Anschläge wirken kontrolliert, aber nicht immer bissig. Das sind die feinen Details, die man in den höheren Clearaudio-Klassen bekommt.

Trotzdem klingt der Compass nicht langweilig. Er bleibt ruhig und souverän, ohne aufgeregt zu wirken. Seine Stärken liegen in Raum, Basskontrolle und natürlicher Stimmabbildung. Besonders bei Jazz, Singer-Songwriter, Trip-Hop, elektronischen Flächen und entspanntem Pop spielt er seine Qualitäten aus.

Klanglich überzeugt der Compass mit Ruhe, Klarheit und Reife.

Fazit

Der Clearaudio Compass bietet einen hervorragenden Einstieg in die umfangreiche Welt von Clearaudio. Er verzichtet auf Funktionen Bluetooth oder USB-Anbindung und konzentriert sich auf Laufwerk, Tonarm, Tonabnehmer und Verarbeitung. Genau das hört man. Der Compass spielt ruhig, klar und räumlich großzügig. Stimmen klingen natürlich, der Bass bleibt kontrolliert, und die Bühne öffnet sich angenehm breit. Eine klare Kaufempfehlung.

Vorteile

  • hochwertige Verarbeitung
  • ruhiger, sauberer Klang
  • vormontierter Clearaudio N1 Tonabnehmer
  • guter Tonarm

Nachteile

  • keine integrierte Phonostufe
  • Antiskating etwas fummelig

Preis

  • Clearaudio Compass Preis: 1.290 Euro
  • Varianten: Silber und Schwarz
  • Weitere Informationen: Hersteller

Clearaudio Compass Bewertung

9 Punkte
Design / Verarbeitung9
Aufbau / Einrichtung9
Funktion / Zubehör8.5
Klang / Preis9
Preis / Leistung9.5