Bluetooth HDT

Fast viermal so schnell: Mit Bluetooth HDT steigt die maximale Datenrate von Bluetooth LE von 2 auf 7,5 Mbit/s. HDT steht für „High Data Throughput“ und ist eine optionale Funktion der Spezifikation Bluetooth Core 7.0. Als erste große Anwendung nennt die Bluetooth Special Interest Group (SIG) verlustfreies und hochauflösendes Audio für Kopfhörer und Lautsprecher.

Bluetooth HDT zielt auch auf True-Wireless-Kopfhörer: drei Paar Apple-In-Ears mit Ladecases auf einem Holztisch
True-Wireless-Kopfhörer gehören zu den ersten Kandidaten für die höhere Datenrate.

Bluetooth HDT soll Lossless-Streaming zum Standard machen

LE Audio, der Audiostandard auf Basis von Bluetooth Low Energy, arbeitet laut SIG mit 2 Mbit/s und dem Codec LC3 – für echte Verlustfreiheit reicht das nicht. Wer Lossless kabellos hören will, braucht deshalb herstellereigene Lösungen wie aptX Lossless, die Quelle und Bluetooth-Kopfhörer gleichermaßen unterstützen müssen.

Zum Vergleich: Ein unkomprimierter Stereo-Stream in CD-Qualität braucht rund 1,4 Mbit/s. Mit 7,5 Mbit/s bleibt Luft für verlustfreie Musik, höhere Auflösungen und mehrere Kanäle. Die SIG nennt ausdrücklich Surround-Sound und räumliches Audio als Ziele. Wie viel der Bandbreite im Alltag für Musik übrig bleibt, verrät sie nicht.

Standardisiertes Premium-Audio per Funk soll laut SIG 2027 starten. Das verlustfreie Audioformat entsteht in einem separaten Spezifikationsprojekt, HDT liefert dafür die Datenrate.

Weil HDT auf einer eigenen Funkschicht arbeitet, dem sogenannten PHY, müssen beide Seiten mitspielen: der Kopfhörer und die Quelle, meist das Smartphone. Ob sich vorhandene Geräte per Update nachrüsten lassen, geht aus den aktuellen Infos der SIG nicht hervor. Unterstützung signalisieren Chiphersteller wie Qualcomm, Intel, Samsung, Nordic Semiconductor und Telink.

4 statt 16 Sekunden: Kürzere Funkzeit schont den Akku

„Die Bedeutung von Bluetooth High Data Throughput geht weit über die reine Geschwindigkeit hinaus“, sagt Joonsuk Kim, Executive Vice President bei Samsung Electronics. Er zählt dazu Kapazität, Zuverlässigkeit und Energieeffizienz. Beim Akku ist der Effekt schnell erklärt: Weil der Funk dieselbe Datenmenge in kürzerer Zeit überträgt, verbringt er laut SIG mehr Zeit in stromsparenden Zuständen.

Wie viel Zeit das spart, zeigen frühe Demonstrationen von SIG-Mitgliedern: Eine Datei von mehreren Megabyte war in rund 4 statt 16 Sekunden übertragen.

Geöffnetes Ladecase mit zwei schwarzen True-Wireless-Kopfhörern von Audio-Technica auf einem Holztisch
Bei True-Wireless-Kopfhörern zählt jede Minute Funkzeit, die der Akku spart.

Fünf Datenraten, die sich Paket für Paket anpassen

Technisch setzt Bluetooth HDT auf höherwertige Modulation. Das klassische Verfahren GFSK verschiebt nur die Frequenz, HDT packt mit QPSK und QAM mehr Bits in jedes Symbol. Die Symbolrate bleibt bei 2 Megasymbolen pro Sekunde. Es gibt fünf Stufen von 2 bis 7,5 Mbit/s, und jeder Paketkopf meldet, welche gerade gilt. So kann die Verbindung von Paket zu Paket herunterschalten, wenn das Signal schwächer wird.

Gegen Aussetzer hilft eine Fehlerkorrektur (FEC), die kleine Übertragungsfehler beim Empfänger selbst repariert. Pakete fassen bis zu rund 8.000 Byte Nutzdaten. HDT teilt sie in Blöcke mit eigener Prüfsumme; geht einer verloren, sendet der Funk nur diesen Block erneut. Ergänzen soll HDT laut SIG ein weiteres Projekt: Bluetooth LE in den 5- und 6-GHz-Bändern.